|
|
|
|
| Teints der Stille | ||
|
Younghi
PAGH-PAAN |
wundgeträumt, ÖEA |
|
| Alexander MOOSBRUGGER |
Teint, UA |
|
| Vadim
KARASSIKOV |
looming outlines of autumn |
|
| Stefano
GERVASONI |
An |
|
|
Pierluigi BILLONE
|
Mani, Giacometti |
|
|
ENSEMBLE
RECHERCHE |
||
|
Samstag,
7. Mai, 20.00 Uhr |
||
| Karten |
Abendkasse
oder Vorverkauf Bregenzerwald Tourismus: euro 14,-
|
|
|
|
||
|
Younghi
Pagh-Paan Wundgewandert, Zum Autor: Wenn ich den Zeilen von Byung-Chul Hans Gedicht folge, das er für meine Arbeit am Bühnenwerk Mondschatten geschrieben hat, wächst aus der Pflaumenblüte die Ganzheit unseres bedrückten, zerknirschten, geschändeten Überlebens in einer ausgehöhlten Gegenwart wie unverletzt hervor. Meine Musik folgt den Gedanken und Gestalten dieser Poesie natürlich nicht Zeile um Zeile, sondern in ihren Bildern und Gegenbildern in buddhistischer Tradition, die den Tod als Brücke zur Wiederkehr niemals verdrängt hat. Ein großer europäischer Kosmopolit,
George Steiner kann das heute auch so sagen: Von überragender
Wichtigkeit in diesem moto spirituale ist der implizite oder explizite
Schluß auf die übernatürliche Kraft, auf das Grenzland.
In sehr vielen Werken westlicher Kunst und Literatur ist davon die Rede,
dass wir enge Nachbarn des Unbekannten sind, dass wir uns zwischen Ordnungen
pragmatischer Substanz bewegen, die selbst durchlässig sind für
das, was auf der anderen Seite liegt, was von jenseits der Schattenlinie
wirkt.
Vadim Karassikov Unter den russischen Komponisten der jüngeren
Generation ist Vadim Karassikov der umstrittenste. Er polarisiert Publikum
und Interpreten. Mit enormer Konsequenz ging er in den letzten Jahren
gegen alle Anfeindungen seinen künstlerischen Weg, der vom Klingenden,
zum Nicht-Klingenden, zur Stille führte. Sein bei den Donaueschinger
Musiktagen 2003 uraufgeführtes Trio Beyond the boundaries
of silence ist, wie der Titel unmissverständlich verkündet,
eine Art Endpunkt dieser Reise. Zu hören ist in diesem Werk so
gut wie nichts mehr. Die Grenzerfahrung der Hörschwelle wurde in der Geschichte der Moderne (und lange vorher) schon oft angestrebt. Insofern steht Karassikov in einer ehrwürdigen Tradition. Fehl ginge auch, wer ihm lediglich die Repetition von John Cages Kult-Stück 433 unterstellte. Karassikovs Definition der Stille ist poetisch-endzeitlich: Die Stille dieser Musik ist die einer frosterstarrten Katastrophe, jedoch zugleich auch die eines unbegrenzten Glücks. Hier gelangen die Intensität der emotionalen Spannungen und die der geistigen Konzentration an ihre äußerste Grenze. Diese Stille wie ich sie empfinde hat die Kraft eines Kontinuums, umfasst sie doch durch die scheinbare Abwesenheit des Klanges alles klanglich Mögliche. Jeden einzelnen Klang, der die Grenzen dieses Kontinuums überschreitet, nehme ich als Ereignis on außergewöhnlichem, von wahrhaft unschätzbarem Wert wahr. (...) Worauf es ankommt, ist nicht die bloße Tatsache der Abwesenheit dessen, was für gewöhnlich als musikalisches Material erscheint, sondern vielmehr die außerordentliche Fassbarkeit dieses Grenzbereichs, in dem Musik sich zu formen beginnt und von wo aus sie sich aus der Starre der Gegenwart löst. Vadim Karassikov, geboren 1972 in Ekaterinburg, wo er bis 1993 an der Staatlichen Musikakademie studierte, danach bis 1998 unter anderem bei Edison Denissov am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau. 1996 Kompositionspreis des Internationalen Musikfestivals Dialog in Moskau, 2001 Stipendium des Künstlerhofs Schreiyahn, 2002 Stipendium im Künstlerhaus Edenkoben. Aufführungen bei den wichtigen Festivals für neue Musik.
Pierluigi Billone Unsere Kultur hat dem Sagen in allen seinen Arten immer zentralere Bedeutung verliehen: dem Sagen, welches veranlasst, orientiert, Abstand gewährt, eine Rangfolge festlegt, welches einteilt, entscheidet, Perspektiven und Horizonte des praktischen Lebens schafft. Wenn diese Tendenz extreme Ausmaße annimmt, entsteht eine besondere Art der Verblendung und Taubheit (mit unterschiedlichen Abstufungen): nun hat das, was geschieht, nur dann noch Wirklichkeit und Würde, wenn es vom Sagen erfasst und anerkannt werden kann. Jedes andere Geschehen zerfällt zu einer unwesentlichen und zweitrangigen Form der Existenz, zerstreut sich in unklare Randbereiche und wird dort früher oder später völlig vergessen. Das Sagen ist damit zu dem Ort geworden,
wo die Ereignisse geschehen, und gleichzeitig entsteht ein unfasslicher
Bereiche der konkreten Entsprechungen zum Sagen. Das Sagen hat der Musik bereits einen Platz
in seinen Hierarchien eingeräumt und ihr eine Rolle verliehen.
Die vielfältigen Folgen davon sind offensichtlich und zeigen sich
in der Art, wie man der Musik begegnet, wie man sie hört, macht
und denkt.
Stefano Gervasoni Im misslungenen Versuchen, über meine Musik zu sprechen, sammle ich meine Gedanken zu einer provisorischen und unfertigen Definition dessen, was ich versuche: das Spiel mit dem Vokabular der Musik, provisorisch und unfertig. Meine Gedanken sind Feststellungen a posteriori, sie erscheinen in einer Phase meiner Arbeit, die anderen provisorischen Phasen folgt und vorausgeht. Es ist schließlich nicht die Auseinandersetzung mit der Schlüssigkeit einer ästhetischen Theorie, was mich vorwärtstreibt, es ist nicht die Sicherheit einer letztlich gefundenen poetischen Heimat. Im Gegenteil. Ich bemerke, dass eine musikalische Phase sich erschöpft, wenn meine Gedanken konsequent eine Idee verfolgen; die erreichte Bewusstseinserhellung lähmt mich, und dann bin ich letztlich Herr über ein Scheitern. Ich ziehe es vor, mich von den Dingen leiten zu lassen: das neugierige, beunruhigte, sensible, unzufriedene Hinhören. Die Komposition ist in Alarmbereitschaft geschrieben, in Erwartung der Stille der Dinge. Ich verdanke viel der Poesie von Toti
Sciafoja. Auf einmal setzen die offensichtlichen Minimalismen Welten
frei, und die gewohnten Objekte sind überraschend ungewohnt. Diese
Objekte setzen unwahrscheinliche, aber glaubwürdige Schwerelose
Landschaften zusammen, die paradoxer- und absurderweise wahr sind,
und umso unbekannter, desto mehr sie aus bekannten Elementen geformt
sind. Komponieren heißt, unberechenbare Verbindungen zwischen
Dingen zu suchen. Stefano Gervasoni
|
||