LONDON BAROQUE

 

Ars Melancholiae

Henry PURCELL
1658-1695

Sonata no 6 in g minor from Sonata‘s of Four Parts

J.J. FROBERGER
1616-1667

Lamentation sur la mort de Ferdinand III
pour clavecin

Richard GWILT
1958

Kaleidoscope for two volins 2003
Allegro - Largo - Giga vivace

Jean-Ferry REBEL
1666-1747

Tombeau de Monsieur Lully for two violins and bc
Lentement - Vif - Lentement - >Vivement< - Les Regrets

Richard GWILT
1958

Lament for Rosie 1991
Adagio rubato

Marin MARAIS
1656-1728

Tombeau pour M. de Lully
Operation de la Taille

F. COUPERIN
1668-1733

Le Parnasse ou l’Apothéose de Corelli
Corelli au pied de Parnasse - Corelli charmé - Corelli buvant à la
source d‘ Hypocrène - Enthousiasme de Corelli - Corelli s‘endort -
Les Muses réveillent Corelli - Remerciement de Corelli

 

Ingrid Seifert
Richard Gwilt
Charles Medlam
Terence Charlston

Violine, Jacobus Stainer, Absam 1661
Violine, Giofredo Cappa, Turin ca. 1685
Violoncello, Jane Julier, Devon 2000, nach Bertrand 1704
Cembalo

Freitag, 1. Juli, 20.00 Uhr
Angelika-Kauffmann-Saal Schwarzenberg

Karten

Abendkasse oder Vorverkauf Bregenzerwald Tourismus: euro 18,-       
e-mail: information@tageauskunst.com

 

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Traurigkeit und Melancholie scheinen - mehr noch als Freude und Liebe - die Hauptinspirationsquellen von Komponisten aller Zeiten und Epochen zu sein.

Purcell nennt sein Stück „Sonate“, es ist jedoch vielmehr ein Ground oder eine Chaconne mit fallender Basslinie, die bei Barockkomponisten sowohl für Klagelieder (Laments) als auch für opernhafte Liebesszenen sehr beliebt ist. Das „tombeau“ ist in der Musik des 17. Jahrhunderts sehr verbreitet. Das Wort bedeutet eigentlich „Grabstein“, es wurde jedoch eher verwendet, um die musikalische Begleitung von Beisetzungsfeiern zu bezeichnen. Sehr oft wurde damit ein Pate oder Freund, ja sogar ein Kind, dargestellt und beklagt. Wie Schmelzer, Froberger, Marais, Rebel, Gautier und andere zeigen, stellen diese „tombeaux“ (in der Hauptsache für Laute, Cembalo oder Viola) die intimsten und persönlichsten Äußerungen eines Komponisten dar. Froberger hinterließ uns Klagelieder an Ferdinand III. und IV., aber auch an seinen Freund, den Lautenspieler Blancrocher, der eine Treppe hinabgestürzt war, nachdem er zu sehr seiner Leidenschaft für französischen Wein gefrönt hatte! Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet in einem Land, das für seine Ablehnung gegenüber Einflüssen von außen bekannt ist, Jean-Baptiste Lully, Sohn eines Florentiner Müllers, offizieller Hofkomponist Ludwigs XIV. werden konnte. Dank seiner Begabung als Tänzer, Gitarrist, Komponist und Diplomat gelang es Lully, sich selbst als Inbegriff der französischen Musik darzustellen. Es ist daher wenig erstaunlich, dass durch seinen Tod zeitgenössischen Komponistenkollegen zu Gefühlsäußerungen hingerissen wurden. Man denke in diesem Zusammenhang nur an Marais‘ „tombeau“. Vielleicht fürchtete man aber auch, dass der Tod Lullys den Niedergang der französischen Musik einleiten würde. Und wirklich: Rebels Tombeau de M. Lully ist eine Synthese dieser musikalischen Form des 17. Jahrhunderts und des neuen italienischen Stils der Triosonate. Ein Zeitgenosse erklärt, „Rebel habe zwar in der Tat einen gewissen italienischen Genius und Feuer, er habe jedoch den Geschmack und den Sinn, diese Eigenschaften durch französische Beherrschung und tendresse in Schach zu halten.“

Richard Gwilts KALEIDOSCOPE ist ein Auftragswerk für eine amerikanische Musikgesellschaft. Inspiriert wurde das Werk in erster Linie von Bach (der langsame Satz ist völlig kanonisch), jedoch auch Rokoko-Violinduette haben ihre Spuren hinterlassen. Über sein LAMENT for ROSIE schreibt Richard Folgendes: „Am 23. Mai 1991 starb ROSIE Wilkinson bei einem tragischen Unfall. Sie war vier Jahre alt. Ich sah sie zuletzt kurz nach ihrem vierten Geburtstag und erinnere mich sehr deutlich an zwei Dinge. Zum einen, wie sie in einem Sessel im Wohnzimmer meiner Eltern saß, meinen zwei Wochen alten Neffen im Arm hielt und wirklich engelhaft aussah. Zum anderen, wie sie mir aufgeregt erzählte, dass sie kaum Worte finden könne für ihr letztes Geburtstagsgeschenk, eine kleine Geige. Sie war so glücklich, so voller Lebenslust. Ich schrieb Lament für Rosie für ihre Eltern.“
Nach so viel Klage ist es passend, dass wir vom Sublimen (Tombeau de M. Lully) zum „Lächerlichen“ (Operation de la Taille) kommen, ein Stück, das die Entfernung eines Blasensteins beschreibt, und in weiterer Folge zu Couperins Apothéose de Corelli, wo sich italienische Perfektion à la Corelli mit französischer Perfektion à la Lully verbindet. Es geht darum, dass Corelli ebenfalls auf dem Parnass akzeptiert ist, wo Lully natürlich bereits seinen Platz hatte.
Charles Medlam


London Baroque hat sich seit seiner Gründung 1978 zu einem der weltweit besten und am längsten tätigen Ensembles auf dem Gebiet der barocken Kammermusik etabliert. Das Repertoire der Musiker um Charles Medlam umfasst Werke des 17. und 18. Jahrhunderts, von früher englischer Musik bis hin zu Haydn und Mozart, wobei neben Entdeckungen heute völlig unbekannter Komponisten die großen Meisterwerke des Barock und der Frühklassik stehen.
In der Saison 2004/2005 widmet sich London Baroque vor allem Werken der Alten Musik aus England sowie dem Schaffen W. A. Mozarts und seiner Zeitgenossen. Das Quartett tritt unter anderem in Großbritannien, Portugal, Schweden, Deutschland, Nordamerika und der Tschechischen Republik auf. Zusätzlich konzertiert London Baroque gemeinsam mit Emma Kirkby in England, Deutschland, Österreich, Italien, Spanien, Zypern, der Türkei und Japan sowie mit Lynne Dawson in Frankreich, Deutschland und Italien. London Baroque ist gern gesehener Gast bei internationalen Festivals wie den Salzburger Festspielen, den Festwochen der Alten Musik in Innsbruck, dem Bath-Festival sowie Festivals in Edinburgh, Utrecht, Beaune, York und Ansbach.
London Baroque blickt auf eine 15jährige, umfangreiche Aufnahmetätigkeit für Harmonia Mundi Frankreich zurück. Die Diskografie umfasst neben den kompletten Trios von Corelli, Händel, Purcell, Lawes, Leclair und CPE Bachs auch die Cembalokonzerte WF Bachs sowie das gesamte Streicherrepertoire Pachelbels. Zurzeit steht London Baroque bei dem schwedischen Label BIS unter Vertrag und hat in diesem Zusammenhang Vivaldis Trio Opus I, Weihnachtsmusik, Händel-Motetten mit Emma Kirkby, Purcells Fantasias, Bachs Triosonaten, Rameaus Pieces de Clavecin en concert, die Apothéoses von François Couperin und eine CD mit Napoletanischen Flötenkonzerten mit Dan Laurin aufgenommen. Darüber hinaus ist eine Serie von CDs mit Triosonaten aus England, Frankreich, Italien und Deutschland (je eine CD mit Werken des 17. und 18. Jahrhunderts) geplant. Aufnahmen mit englischer und französischer Musik des 17. Jahrhunderts sind bereits erschienen.
Fernsehproduktionen des Ensembles wurden in England, Frankreich, Deutschland, Österreich, Japan, Belgien, Spanien, Schweden, Polen, Estland und Holland ausgestrahlt.

 

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