logo            reihe 0, HORROR VACUI / FUGA VACUI        

 

 

Werte Freunde der »reihe 0«

das Festival heuer beschließt den
horror vacui
- Gedanken in fünf Thesen – verdichtend, ins weite Feld der Musik gebracht, im Wahrnehmungslicht von künstlerischer Arbeit, von Vorhaben, sprachnah zu den Gewichtungen unserer Zeit.

Der Anfang erkundet Kontinuität, löst ein Versprechen ein, tauscht Texte der Musikhistorie gegen eine Auslegung. Zugunsten von Spuren, Facetten, Wiederholung, Inhalt, Realisation. Bachs Arbeiten für Traversflöte und Cembalo – der durchlaufende Bass – variieren das kompositorische Gleichgewicht stetig und reich. Vereinzelt scheint ein Kontinuum unbeteiligt zu sein, als verfolge der zweite Spieler Motive einer früheren Fassung in anderer Gestalt, von anderen Autoren; der Kopfsatz der Sonate BWV 1032 ist unvollständig überliefert, die Leerstelle animiert zu Spekulationen. Ein obligates Cembalo führt die seinen Dinge aus – zur Gänze. Dies alterierend mit dem Solo / auf sich Gestellten, das Ricercar als thematische Reduktion, nach und nach, als Thema ohne Text und Vorform der Fuge – eine Flucht auch vor dem Nichts – bestimmt das Editorial des Hörens am Eröffnungsabend.

Das Hauptstück der »reihe 0« 2008 bringt fünf der vergebenen Kompositionsaufträge zur Aufführung. Die »Angst vor dem Nichts« als Abwehr oder Umgehung der Leere ist beim Schreiben, das seinen Gegenstand aufsucht, zweischneidig motiviert. Musik tritt an das Nichts heran – Affektgehalt und Form –, ist ein Vabanquespiel mit Vorausschau. Dies kann klingen wie ein Alterswerk. Tonskalen mit leeren Saiten kontrastieren Gehaltenes, klandestin, deformiertes Ges-Dur einer Violine etwa; die norddeutsche tirata aucta hört sich engmaschig an und ephemer. Ein Stück handelt von schönen Töchtern. Ein anderes von Schnee, der leise und sacht fällt.

Serge Baghdassarians verzahnt installativ den Ideensatz – Kopfstand und Verweisung – mit Fragen der Komposition – vom dritten Polizisten, vom Schröpfen, von Akkumulationen und Dingen frei von der Fron, nützlich zu sein.

Den Portrait-Abend widmen wir Jennifer Walshe und Michael Maierhof.

Leere beinhaltet Fülle und vice versa. Das Rund. Oval. Unauffindbarer Ort. Die 0 ist ein möglicher Anfang, umfasst, verschließt, bleibt in ihrer Mitte Fenster, Ohr. Leerstelle, Fülle, Fehlen. Kreis. Entschieden.

Entgegen der Ankündigung im vergangenen Jahr kann, etatbedingt, das Festival 2008 Programmideen andeuten, doch nicht umfassend, argumentativ darstellen, das gilt für Alte Musik sowie im Kontext der Kompositionsaufträge. Die finale »reihe 0« in diesem Gewand, damit einher, arbeitet mit einer Sammellinse, zeigt Schönes, Dinge mit Zunder, wozu wir herzlich einladen.



Alexander Moosbrugger
Initiator und künstlerischer





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